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Streichen wir mal die von Jahr zu Jahr beschissener werdende Organisation des Rock-im-Park-Festivals. Streichen wir mal die hohlköpfigen Securities am Einlass für den Wellenbrecher-Innenraum, die nicht zu raffen scheinen, das es auch Leute gibt, die nur für Manson dort sind. Und begrenzen wir einmal das Festival auf die knappe Stunde von 22:55 bis 23:45 am Samstag Abend.
Mudvayne spielten in der "Talent Forum"-Halle. Ich bin was die Hallen beim RIP angeht sehr sensibel geworden, seit ich "Papa Roach" 2001 gar nicht sehen konnte, und letztes Jahr nur mit Glück noch "Kittie" genießen konnte. Nein, ich gehe auf Nummer sicher, nicht nur in die Halle zu kommen, sondern wie es sich gehört auch in der ersten Reihe zu stehen. Das Mudvayne im Talent-Forum spielen empfinde ich nicht als Nachteil. Klar, die gehören vom Niveau her ganz woanders hin, womöglich noch nichtmal auf dieses Festival, aber scheiß auf die Main(Stream)Stage! Die kotzt wirklich nur an. Allein der Graben zwischen Band und Publikum macht die Musiker unerreichbar. Das Talent-Forum dagegen ist stehts PrimeTime, weil es künstlich verdunkelt ist, und auch die Größe reicht seit diesem Jahr aus, denn die Alternastage wechselte nach draußen, und das TF an die die nun frei gewordene größere Halle! Ich stehe also um 17:30 Uhr im Dunkel. Straight sind grad fertig, aber die hatten mich als Vorgruppe von der Vorgruppe von Slipknot schon nicht vom Hocker gerissen, deshalb weiß ich auf was ich gern verzichtete. Problemlos stehe ich in der 2. Reihe, vor mir drei Japanerinnen, die kein Ding Englisch können. Praktisch sogar erste Reihe, weil ich einen super Blick habe... auf Nothingface. Die gehen auch echt gut ab. Irgendjemand hatte mir gesagt, das die was drauf haben, und er hatte recht. Danach kam Soil und da war auch zum ersten Mal etwas Gedränge. Dann Tape, aber die sind scheiße, Punkt. Ab da, sprich ab Molotov stehe ich in der ersten Reihe, so wie es sich gehört, und (natürlich) an genau der Stelle wo ich am liebsten stehe: Zwischen Ryan und Chad. Die Stimmung zu Molotov ist riesig. Und ich weiß nicht, ob das so ein Insider-Ding ist, aber es surfen so was von viele Leute, das so einige vorne runterklatschen, weil die Securities auf dem letzten Loch pfeifen. Dann gab's nur noch Theory Of A Dead Man zu überstehen. Und die haben auch gleich eingesehen, das sie nur noch Lückenfüller zur Zeitüberbrückung für Mudvayne sind. Der Sänger steht direkt vor mir, aber ich fotografiere ihn nicht, schaue ihn nicht mal an, sondern nach links, wie die Roadies Matts Drum Set zusammen bauen. Fies, oder? Dann ist es endlich soweit: Mit ohne jegliche Schminke kommen Mudvayne auf die Bühne. Statt des altbekannten Openers "The End Of All Things To Come" legen sie gleich mit "Internal Primates Forever" los. Natürlich ist sofort alles am ausrasten. Ich mache zwei Photos, dann ist die Batterie leer, und ich muss mich schwer zurück halten den Apparat nicht zu zerstören. Aber egal, scheiß auf die Photos, ich dreh lieber ab, und sing alles mit was ich mitsingen kann. Als zweites klopfen sie "Silenced" raus, dann "-1". Wie gesagt, keiner trägt MakeUp, Ryan ist von Beginn an "oben ohne" (oh, ich liebe diese Tattoos), Chad trägt ein schlichtes LS und einen provinz-mäßig geflochtenen Cowboy-Hut. Mudvayne nutzen jede Minute um zu spielen, machen nur kurze Ansagen. Fast wirkt die Bühne für die Jungs etwas zu groß. Sie standen wirklich extrem verteilt. Der Sound war makellos... nur lauter hätte es sein dürfen, einzig die BaseDrum von Matt klopfte geiler als je zuvor. In etwa so wie beim Soundcheck. Jedes Lied ist ein Hit, und jedes das sie weglassen mussten ein herber Verlust. Sie spielen "Not Falling" und "Mercy Serverity", und ab da an, musste ich mich mit so einem F***er fast dreschen, der sich partout in die erste Reihe quetschen wollte. Als aber direkt über ihm Einer rausgehoben wurde, hat es ihn wieder nach hinten gedrückt, und ein anderer, von dem ich erst dachte er würde genauso stressen hat seinen Platz eingenommen. Aber der hat dann gut Platz gelassen. Der Druck von hinten ist derb, war aber in Köln sehr viel krasser. Klar weiß ich noch jetzt, 3 Tage später, wo die Absperrung an meinem Köper lang lief, aber scheiß drauf. Ich genieße jedes Lied, headbange wie ein Blöder, denn ich weiß, das dieses Konzert nicht von langer Dauer sein würde. Leider, denn es folgen "Death Blooms", "Cradle" und dann schon "Dig". Nach "Death Blooms" schlägt Chad sich das Mikro vor den Kopf. Wie scheinbar auch bei Rock am Ring haben sich unzählige Leute auch hinter der Bühne versammelt. Wer da zu welcher Band gehörte, weiß ich nicht, aber ich finde so was gibt einem Auftritt dann immer einen ganz besonderen Flair. Es zeigt: "Hey, da ist ein echter Kracher auf der Bühne!": es macht die Sache irgendwie legendär. eine Art 3D-Effekt, wenn 360 Grad um die Band gerockt wird. Chad verzichtet auf ein Bad in der Menge, aber von Stimmproblemen ist nichts zu hören. Nach der Show kommt er wie (fast) immer, wenn er nicht grad mit Flaschen beworfen wurde runter in den Graben, und klatscht mit der ersten Reihe ab. Im vorbeigehen rufe ich "Chad, see you on tuesday!", aber das hat sich ja leider erledigt. Ich vermisse ganz schwer "World So Cold" und "Nothing To Gein", und so scheiße ich dann auch auf "Taproot". Nein, ganz so krass ist es nicht, ich bin nur einfach voll fertig nach 5 Bands in Folge. beim rausgehen verteile ich noch Flyer für Dennis' www.mudvayne-online.de (Anm. d. Red.. Daaanke *knuddel*). Selbst einem der ein Mudvayne-Tattoo hatte hab ich eins gegeben, aber es scheint nutzlos zu sein. Mudvayne ist noch immer Underground, mit all seinen Vor und Nachteilen. Das Gedränge nach draußen ist unglaublich. Es scheint, als würde jeder die Halle verlassen wollen, und keiner was für Taproot übrig haben. Ich bin völlig fertig, und schleppe mich durch einen endlos langen Menschen-Stau bis zur großen Straße, wo ich erstmal standesgemäß zusammenbreche. Ich bin wahrlich der einzige von 50.000 Festival-Besuchern, der das Tour-T-Shirt zur letzten Europa-Tour hat. Das find ich schon derb. Alles in allem war es eine geile Show, Mudvayne haben das geliefert, was ich erwartet hatte. Nicht mehr und nicht weniger. Oder sollte man doch besser sagen: sie haben alles aus dem Festival-Auftritt rausgeholt, was möglich war. |