|
Angeblich, und bei vielen Bands auch gewiss, ist das Debüt einer Band meist das beste Album. So scheint es auch bei Mudvayne mit "L.D.50" zu sein. Das hätte man auch schon vor der Veröffentlichung des zweiten Albums "The End Of All Things To Come" sagen können, denn die Komplexität des Erstlings zu schlagen scheint schier unmöglich. Dabei hat das Album tatsächlich Anlaufschwierigkeiten bei den Hörern, und letztlich ist der Titel ungeahnt passend, denn wohl nur 50 von 100 der Leute die dieses Album je gehört haben, werden etwas damit anfangen können. Das hängt zunächst damit zusammen, dass (wie auch bei Live-Auftritten) mit der Single "Dig" gleich mal das bekannteste (und wohl auch verdaulichste) Lied als erster Songs rausgeklatscht wird. Danach wird es reichlich konfus, und könnte er, der CD-Player würde sich bei soviel Wirrwarr schlicht übergeben was das Zeug hält. Also landet diese Scheibe (ist sie erst einmal gekauft, oder gebrannt) bei halbherzigem Arrangement schnurgerade in der nächsten Ecke.
So unkommerziell wie die Musik dieses Albums selbst ist auch die Aufmachung. Das Cover bleibt schlicht, und nach Lyrics sucht man im Inlay vergeblich. Aber gerade das ist schade, denn sind es doch die ungeahnt tiefgründigen Texte von Sänger Chad, die einen Großteil dieses Albums ausmachen. Und von denen man (wenn wir mal ehrlich sind) reichlich wenig versteht, ohne die Texte vor Augen zu haben. Muss also die rohe Stimme sein? Ja, denn sie verleiht den Zeilen erst ihre Kraft. Denn für oberflächliche Nu-Metal-Freaks ist der Rhythmus zu langsam und Lyrics, die man erst von der Stimme trennen muß zu komplex (nichts gegen Nu-Metal-Fans, nur gegen oberflächliche). Aber macht das schon ein Meisterwerk? Nein. Was fehlt ist musik-instrumentale Finesse. Und die macht Mudvayne dann erst richtig selten. Mit Ryknow haben sie einen der besten Bassisten an Bord, und das hört man. Immer wiederkehrende Basedrum-Attacken und eigenständige Gitarrenriffs formen einen typischen, unverwechselbaren Sound und sich überlappende, verzweigte Doppelgesänge geben dem Gesang noch mehr Tiefe. Zu allem "Übel" präsentiert sich der Erstling auch noch als Gesamtwerk, was unweigerlich schon durch das "Odyssey 2001"-Thema, welches sich als Intro und Zwischenspiel durch das ganze Album schlängelt, offensichtlich wird. So muß man sich auf nichts oder alles einlassen - und entdeckt ein wahres Juwel das aus der schlammigen Nu-Metal- Schublade herausragt. Bis zu dieser Erkenntnis ist es ein weiter Weg, aber scheinbar macht gerade das einen Vorteil aus, denn dadurch erhöht sich die Halbwertzeit dieser Platte ins Unermessliche. Es scheint so tief zu sein, musikalisch, als auch lyrisch, das es immer wieder interessant ist es zu hören und einen nicht mehr loslässt. Nun macht es allerdings wenig Sinn, das Album zu obduzieren, da es sich durch einzelne Lieder kaum entfaltet. Eigentlich halten Mudvayne ein gleichbleibendes Niveau, auch wenn die Länge des Debüts und die Liederanzahl oft in Frage gestellt wird. Dennoch gibt es feine Unterschiede. Der Opener "Dig" kommt zwar recht krachig, lässt aber zu offene Spuren, die direkt zum (damals) großen Bruder Slipknot führen. Als wirklich herausstechend ist "Cradle" zu bezeichnen, wohl auch der melodischste Song des Albums. Bei "Under My Skin" dann wieder das Slipknot-Deja vu! Dieses Mal gar noch stärker! Der Vocal-Hurricane ist zwar genial, klingt aber nach Corey Taylor zu besten Zeiten! Und "(K)now (For)ever" ist vielleicht doch etwas zu langatmig ausgefallen. Das klingt nun alles negativ, aber das war auch schon alles. Und die restlichen Lieder? Immerhin stattliche 10! Alle samt kleine Meisterwerke! Und mit jedem Lied kann man dieser Band verfallen. "Umso unglatter um so besser" scheint die Devise zu sein. Und man bemerkt besonders bei den Fans, wie tief dieses Album dringt! Dort sind Lieder wie "Dig" und "Under My Skin" natürlich angesehen. Die Favorites liegen aber bei "-1" oder gar "Severed". Mudvayne schaffen den Spagat zwischen musikalischer UND lyrischer Kompetenz und bleiben dabei herrlich rau. Dies ist im Metal-Genre höchst selten und deshalb wertvoll. "Slipknot mit Verstand" kommt mittlerweile häufiger als "Abbild von Slipknot". Fazit: ein Debüt wie es rauer, aber auch genialer nicht sein kann. Es ist schwer den Weg in dieses Album zu finden, darum kann man heute sagen: die beste Vorbereitung auf dieses Album wäre der Nachfolger "The End Of All Things To Come". Man soll ja nicht mit dem Fliegen anfangen... Mudvayne taten es. Ein Meilenstein, auch wenn das nur jeder Zweite verstehen wird. |