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Es ist schwer über drei Konzerte der selben Bands Reviews zu schreiben. Zwangläufig würde es zu Wiederholungen kommen. Um diese zu vermeiden beschränkt sich folgendes Review auf Besonderheiten.
Vor dem Konzert: Dann die Halle, und dieses mal ist es wirklich eine Halle (oder sehr große Großraumdisco). Schon um 4 lungern da Leute davor rum. Aber der Bus steht im Innenbereich, deshalb wohl heute keinen kleinen Plausch mit der Band. Ich gehe vor... gehe zurück zum Auto, und gehe wieder vor. Unterhalte mich kurz mit dem Sänger von Tieflader, die ich langsam wirklich mag (tja, wer hätte es gedacht? *g*). Da kommt Ryan (inkl. Freundin) aus der Richtung, aus der ich gerade gekommen war. Fuck. All die "ach-so-sicken" Idioten (denn das konnte ich in den paar Minuten die ich den Eingang schon mal ausgekundschaftet habe feststellen) die dort herumstehen... soll ich ihn da verraten? (Ihr fragt wieso verraten? Na weil ich bisher noch bei keinem der drei Auftritte erlebt habe, das jemand die Band erkannte! Und das war hier natürlich nicht anders.) Ich halte die Klappe, und verspiele die Chance noch mal eines meiner größten Idole zu sprechen. Anyway, fuck it. Dann stelle ich mich mit dort vorne hin, und überzeuge mich noch gut zwei Stunden lang davon das ich mit meinem ersten Eindruck nicht falsch lag: es sind die letzten Hirnies, die sich hier finden lassen. Nicht einer scheint einen IQ über 80 zu haben. Was am meisten ankotzt, ist die Tatsache, das mehr Slipknot-Shirts rumlaufen, als irgendwas anderes. Die Leute schauen mich teilweise doof an, als sie sehen, das ich der Einzige bin, der eigenartigerweise bereits ein aktuelles Tour-Shirt trägt. Nur zu raffen scheinen sie es nicht. Ich finde alles zum kotzen, Mudvayne hat echt besseres verdient, als Hohlköpfe im IOWA-Look. Da stehen vor mir ein paar besonders "sicke" Typen. Kaum 16, aber schon in völlig lächerlichen Outfits, labern sie die ganze Zeit über Dinge von denen sie doch keine Ahnung haben. Die meiste Zeit geht es um Slipknot, weiter geht der Verstand kaum. Die Jungs wissen natürlich alles, sind die Experten über jede Band, und so kann ich mir ein Lächeln nur schwer verkneifen, als man über Ryan spricht, natürlich im Stile von "Wir wissen alles über ihn", und trotzdem nur geglotzt wie ein Schwein ins Uhrwerk, als er direkt vor ihren Nasen vorbei ging. Ich halte zwei Stunden einfach nur die Fresse, und denke mir meinen Teil über all die hohlen Phrasen. Gegenüber auf den Parkplätzen steht ein Auto, in dem scheinbar Musik läuft, aber der Kofferraum rumpelt durch den Bass so sehr, das man meinen könnte die hätten da einen reingesperrt. Ein anderes Auto macht später Provo-Mucke mit irgendwelchen Drecks-Punk (womöglich aber auch rechter Scheiß, kA). Die einzigen Personen, die normal wirken sind die drei Amis, die für sich stehen und warten. Ein Glück machen die Herren der Live Music Hall schon um 19 Uhr auf. Ich renne natürlich gleich vor, und stelle mich genau dort hin, wo ich stehen wollte: erste Reihe halblinks von der Mitte. Tieflader machen grad noch ihren Soundcheck. Ach klar, den Rentner neben mir hätte ich bald noch vergessen. Der stand schon vorm Eingang so penetrant neben mir, und in der ersten Reihe natürlich auch. Hinter mir tauchen dann auch wieder bekannte Gesichter von draußen auf. So zwei Eckerchen aus einer Gruppe die draußen sich noch die übelste Platte gemacht haben, ob sie wohl noch Karten kriegen. Die Kerle sehen cool aus, die Mädels aus der Gruppe geil. Allerdings alles Jahrgang 86 oder höher nehme ich an. Dennoch, der eine hat es drauf, und das weiß er wohl auch. Haare Kurz, was ihm gut steht, in der Mitte eine modischer ganz kurzer Iro und an den Seiten etwa 4cm hohe Teufelshörner. Einen Schottenrock und natürlich krasse Kontaktlinsen. Sein Kumpel neben ihm hat so richtig cool verfilzte Haare. Das war's dann aber auch schon, denn als ihre (offensichtliche) Lieblingsband Korn als Bandmusik abgespielt wird weiß er nicht wohin mit seinen Knochen, sieht sich aber dennoch gezwungen sich dazu nun irgendwie bewegen zu müssen. Das es ihm übel peinlich ist steht in seinen Augen... was für ein Waschlappen. Dann taucht noch diese Tussi auf, sie hatte glaub ich irgendetwas geflecktes an, was an einen Leoparden erinnert, und die Haare waren glaube auch oben schwarz, und an den Spitzen blond. Und eigentlich sah die Alte ganz ok aus, aber sie versaute sich ihren ersten Eindruck in einer respektablen Zeit von etwa 20 Minuten. Dann irgendwann, nachdem der Einlass so langsam (im wahrsten Sinne des Wortes) abgeschlossen ist, spielen Tieflader auch. Ich bin so ziemlich der einzige der mitwippt, und mittlerweile kann ich sogar mitsingen, und tue das auch. Endlich mal eine größere Location - die tut gut, und macht Tieflader noch besser. Naja, sie sind doch wirklich nicht so schlecht, und das dies das letzte mal ist macht mich natürlich zusätzlich noch sehr sentimental. Nächstes Mal wird wohl kein Mudvayne nötig sein, um mich zu dieser Band zu treiben. Außerdem muss man sich ja vom Pöbel abheben, und etwas progressiven Musikgeschmack beweisen. Oder einfach nur, das man weiß was man sieht. Wie schon in Hamburg (1-Mann-Pit ;)) und Stuttgart gab es dann einen kleinen Moshpit zu Tieflader. Er bestand allerdings diesmal aus mehr als einem streitsüchtigen Alki. Und wer war mittendrin? Genau, die Schlampe von eben. Ich will nicht wissen was sie alles Intus hatte, aber sie merkte von alledem eh nicht mehr viel auch wenn sie ab und an auf die Fresse fiel. Als Tieflader, von denen man übrigens so gut wie nix sah (denn irgendein Mongo hielt es wohl für eine klasse Idee die "blendensten" Scheinwerfer auf das Publikum zu richten), fertig waren ging halt das warten los. Die Amis von Draußen standen irgendwann auch hinter mir, und als sich derjenige, von dem ich echt dachte es könnte der aus dem Chat sein, rechts neben mich zwängen wollte bot ich ihm links an. Er war es allerdings nicht, sondern auch ein netter Kerl aus Freiburg, grad bei der Army, und besuchte Mudvayne zum ersten Mal. Als er mir (wie es ja bisher irgendwie jeder Ami tat, mit dem ich bisher sprach) erzählte das er schon x-mal beim Ozzfest war klappte mir (wie immer) die Kinnlade runter. Und noch etwas klappte, nämlich zusammen: nach den besagten 20 Minuten forderten zu exzessiver Drogengenuss und extreme Energieausschüttung ihren Tribut bei dem Mädel, und sie kotzte erstmal generalstabsmäßig in die 2. Reihe. Mir wurde dann auch gleich bescheinigt das es sich hierbei leider nicht "nur" um Bierkotze sondern um einen bunten Abendbrots-Mix handle. Als die dann rausgeschleift wurde konnte ja das Konzi endlich losgehen. Zwar waren auch wieder dämliche Fotografen da, die aber dieses Mal nur 3 Lieder bleiben durften (Ohh... das tut mir aber leid. *fg*), und nicht ständig im Bild standen.
Das Konzert: Und in diesem ersten Gewitter wurde der große Vorteil der heutigen Show endlich offenbart. Denn waren die Idioten die hier den Eingang hereingekrochen waren auch die letzten Deppen, die Stimmung war genial. Es war gar kein Vergleich zu den Malen davor, denn es waren andere Dimensionen. Selbst das lauteste Publikum in Hamburg oder Stuttgart wäre da nicht rangekommen. Die gesamte Band wirkte noch krasser an diesem Abend. Unterstützt von den zuckenden Lichter-Blitzen und angeheizt durch die schier unendlich starke Energie die jede Kehle der Band entgegenwarf wirbelte besonders Ryan wie von der Tarantel gestochen von einer Seite der Bühne zur anderen. Der Druck ist fast nicht zu ertragen. Die Absperrung hätte mir sicher so einige Male die Rippen gebrochen, wenn ich nicht schnell genug reagiert hätte. Aber scheiß drauf. Ich stehe in meiner ersten Reihe, und langsam müsste ich die auch schon reservieren können. Ich bin die ersten Lieder auch nicht fähig irgendwelche Photos zu machen, und warte geduldig bis sich die Photographen im Graben nach drei Liedern verpissen. Nach dem Opener geht das wohl am häufigsten gespielte Set weiter seinen Gang. Ich kann es nicht sehen, aber bei "Internal Primates Forever" springt und mosht die ganze Halle. An dieser Stelle sei auch erwähnt, das der Sound wie eigentlich fast immer genial war. Er hätte sogar noch etwas lauter sein dürfen. "-1" ist mir dann zu schön, um da Photos zu machen, und danach gab's wieder lange Zeit nur Full-Pull-Power. Zwischen zwei Liedern schaue ich nach rechts. Ein schlaffer regungsloser Körper wird über die Massen gereicht. Es ist die Tussi, die uns ihr Abendbrot zeigte. Doch dieses Mal ist sie gänzlich weg. Ich kann nur hoffen ihr geht's gut. Doch zurück zum Konzi. Es fällt schon auf, besonders wenn man schon zwei Shows der Tour sah, das Mudvayne sich hier außerordentlich viel Mühe geben. Aber ich kann es ihnen nicht verdenken. Denn zumindest in Deutschland sind große Bühnen und massig Zuschauer Mangelware gewesen. Ist eben noch ganz schön stark Underground-Mucke. Mich soll es nicht stören, sonst könnte ich mir wohl die erste Reihe, als auch die Treffen abschminken. Also rocken Mudvayne, als gäbe es kein morgen mehr. Nach 4-5 Lieder fällt Chad's Brille, aber seine Stimme bleibt, die an diesem Abend stärker und zerstörender denn je klingt. Die beiden großen Ansagen, der Dank an die Crew, und der Anti-Kriegs-Appell fallen länger und eindringlicher aus, als bisher da gewesen. Doch Zweiteres war und ist in Stuttgart immer noch am besten gewesen. Denn dort schnackelten die Leute wenigstens gleich den Tritt in G.W. Bushs Arsch. Auch wurde die Band scheinbar nicht als so ehrlich assoziiert wie ich das tat. Ich hörte gerne mal Gemurmel um mich rum, das man ihnen nicht abkaufte was sie sagten... Mittlerweile war auch mein Rucksack verschwunden, den ich schräg vor mir auf die Rückseite der Absperrung gestellt hatte. Ich machte deswegen auch den Sicherheitsmann an, doch der bestätigte sein Klischee mit einem "Na da kann ich jetzt auch nichts machen...". Obwohl er wahrscheinlich das Arschloch war, der den Rucksack etwas weiter unter die Treppe der Absperrung gefeuert hatte. Zu einem Power-Konzert gehört ein Power-Setup, und so hätte man auf "Prod" lange warten können. Stattdessen kam wieder das Sprint-Gemetzel "Solve Et Coagula". Bei "Nothing To Gein" und "World So Cold" machte ich dann die meisten Bilder. Es waren auch große Highlights des Abends. Besonders bei "Nothing..." übertraf sich Chad selbst. Den meisten war wohl nur noch das Mikro gegen den Kopf zu schlagen in Erinnerung geblieben, aber eigentlich war es die Stimme, die alles in den Schatten stellte. Alle Spots waren auf Chad gerichtet, er kniete auf seinem Podest, und während er wie angestochen immer wieder "Soiled!" ins Mikro brüllte weiteten sich seine Augen, bis es wirkte als würden sie herausspringen. Unglaublich lang, stark und mächtig schloß er dieses Lied... Bei diesen Liedern, und auch durch das ganze Konzert konnte man beobachten, das Ryan, zwar wie immer genial spielte, jedoch verstört wirkte. Oft waren seine Augen halb geschlossen, und dennoch wirkte er hyperaktiv und in sich gekehrt. Als das Konzert zum Ende kam war auch ich am Ende. Die Schmerzen auf meinen Rippen, durch das Gitter vor meiner Brust wurden unerträglich und jeden Berührung wirkte wie mit Schmirgel-Papier auf der Haut. Chad begann sich für diesen Abend zu bedanken, Ryan nahm die Faust nach oben, und klatschte anerkennend. Meine Umgebung raunte wieder. Chad ging dazu über "Dig" anzukündigen (in mittlerweile schon) gewohnter Weise: "Can You dig it..?" Natürlich brach dieses Lied noch mal alle Massen los. Ich schiss auf meine Schmerzen, und genoss noch mal das letzte Lied... womöglich für dieses Jahr. Zur Bridge von "Dig" verließ Chad wieder auffällig schnell die Bühne. Mir war klar, was nun kommt. Chad kehrte zurück, und ich ging davon aus, das er wohl kein Mikro mehr in der Hand haben würde, für den Stag-Dive. Doch erhielt es noch immer, und ich zweifelte nun auch daran. Doch er ging leicht gebückt hinter dem Podest lang. Warf der ersten Reihe ein fieses, fast verrücktes Grinsen mit weit aufgerissenen Augen entgegen, und sprang. Wieder dauerte der Dive nicht lange, doch immer hin hat er ihn wieder gemacht. Nach Dig kamen wieder Ryan und Chad an die erste Reihe herunter. Auf der Bühne kam schon ein erster Rowdie vorbei im beförderte alle übrig gebliebenen Wasserflaschen ins Publikum. Ich sagte zu Ryan so etwas wie "Thx for everything" aber jeder ballerte mit irgendetwas auf ihn ein, und er wirkte ohnehin an diesem Tag ja etwas abwesend und nickte nur mechanisch. Als alles schon wie beendet wirkte kam Matt auf die Bühne. Er hielt wie jedes Mal die Setlist und das unterschriebene Becken in den Händen. Er machte eine Geste als wolle er sagen: "Und? Habt ihr mich etwa vergessen???" Die Setlist ging wieder an jemanden in der ersten Reihe weiter neben mir, und als er das Becken präsentierte kam wieder das was, was ich nun schon gar nicht mehr befürchtet hatte. Eine Wasserflasche flog heran und traf ihn hart am Kopf. Einen Moment brauchte er und auch wir in der ersten Reihe um zu begreifen was passiert war. Dann schlug seine Laune natürlich um. Zunächst wirkte er ganz kurz unsicher, doch dann machte er seinem Unmut Luft, schimpfte und endete mit so etwas wie: "...so fuck you for this, and so you will get nothing from me!", drehte sich um und verließ die Bühne. Das zog mich echt runter... Auf der anderen Seite der Bühne kam Chad gerade aus dem Graben nach oben. Er hatte nichts davon mitgekommen, und so strahlte er noch einmal, nahm die Hand zur Faust nach um, winkte und ging. Auch ich ging. Haderte noch etwas mit dem Kapu für 50 EURO, nur um ihn dann nicht zu kaufen. Ging zum Auto, trank etwas, zog mich um, und ging noch einmal zurück zum Club. Ich zögerte ihn wieder zu betreten, zögerte den Türsteher auf meine Fragen anzusprechen... fuhr heim, und verpasste (wie ich später erfuhr) die Chance meine Band noch mal zu sehen. Denn zumindest Chad, Ryan und Matt sollen wohl alle da gewesen sein. Zu dumm, aber wer weiß ob es wieder so cool gewesen wäre, wie in Hamburg, bei all den Idioten die diese Stadt zu bevölkern scheinen. Danach kam die Leere. Die, welche ich schon nach den ersten beiden Konzerten gespürt hatte. Nur sollte es dieses mal länger anhalten, denn es würde kein neues Konzert kommen, dem ich hinterher reisen könnte... |