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Hektik, Unsicherheit, Frust. Die drei Schlagwörter der letzten drei Tage vor dem Konzert. Unser ursprünglicher Fahrer zu missbrauchen war bereits abgesprungen, als sein "Ersatz" in Finanzprobleme kam und das Konzert bereits ernsthaft zu platzen drohte. Aber ich wollte, ich musste Mudvayne einfach sehen. Also begann ich diverse Leute vollzuschwatzen und versuchte sie als Fahrer zu gewinnen. Doch Zeit- oder Geldmangel zerschlugen meine Träume relativ schnell. Ich war schon ziemlich verzweifelt, doch schließlich fand sich in letzter Minute mit Kumpel Knierim ein Geldgeber, sodass wir nun doch fahren konnten.
Überglücklich die eine meine Band nun doch noch sehen zu können, traf ich mich also am Tag X mit Andi und Knierim in Kassel. Kurze Geldübergabe, und dann zu Andi nach Hause, wo wir auf Geka warteten. Da sie das Auto erst spät bekam, standen wir ziemlich unter Zeitdruck. Mit Schnitt 150 jagte Rennsau Rudi über deutsche Autobahnen, um uns rechtzeitig nach Köln zu bringen. Pünktlich zum offiziellen Konzertbeginn erreichten wir die Live Music Hall. Die Vorband "Tieflader" spielte bereits ihr letztes Lied (was mir durchaus recht war, denn ich war nur wegen Mudvayne gekommen). Also quetschen wir uns ganz nach vorne und harrten dort etwa eine Dreiviertelstunde aus. Mit einem plötzlichen Riffgewitter und den Klängen zu "The End Of All Things To Come" begann das, worauf ich seit Wochen, seit Monaten gewartet hatte. Wie man es von Mudvayne erwarten konnte, legten sie gleich richtig los. Emotionen pur auf der Bühne und davor eine pogende und hüpfende Masse aus Menschen. Ich war wie gebannt und relativ unbeeindruckt von der Schubserei um mich rum, als "Internal Primates Forever" einsetzte. Die Faszination, die ich bei jedem Mal empfinde, wenn ich Chads Stimme lausche, schlug auch live voll an. Ich konnte kaum realisieren, dass sie nun wirklich leibhaftig vor mir standen (was unter anderem daran gelegen haben mag, dass die Jungs live einfach saugut sind). Aber spätestens als Ryan auf unsere Seite der Bühne gesprungen kam, fiel ich in den Freudentaumel mit ein. Chad hielt eine kurze Ansprache zum Thema Irak und den Kampf gegen den Terrorismus, die (aus Sicht der USA) alles andere als eine Sympathie-bekundung war. "Silenced" folgte. Gefühlsmäßig war ich schon ziemlich oben auf, doch das Fass lief über, als das passierte, was ich kaum zu hoffen gewagt hatte. "When passions lost and all the trust is gone..." erklang aus den Boxen, die ersten Zeilen zu "World So Cold". Ich sog dieses Lied geradezu in mich hinein, ein unbeschreibliches Gefühl. Umso mehr wurde ich aus meinen Träumen gerissen, als Chad mit den Worten "Can you dig it?" das letzte Lied des Abends ankündigte (richtig geraten: "Dig"). Die erhoffte Zugabe blieb aus, doch sprangen Ryan und Chad anschließend von der Bühne und bedankten sich per Handschlag bei den vorderen Reihen für das Konzert und nahmen einen Jungen im Rollstuhl in Empfang, um seine CDs zu signieren. Die Masse löste sich langsam auf, und wir deckten uns mit Merch ein und tigerten kurz zum Auto, um etwas zu trinken und lecker Mars zu futtern. Auf dem Weg dorthin kippte mir ein Besoffener Ami ersteinmal seinen Sekt auf den Pulli. Thank you (§$(/&"?})! Als wir wieder kamen durften wir feststellen, dass die Eintrittskarten mit Verlassen des Gebäudes ihre Gültigkeit verlieren. Also nochmal 3 EUR blechen und rein ins Vergnügen. Wir warteten mit einigen Leuten aus Dortmund am Tor zum Parkplatz des Tourbusses, um die Band abzufangen. Wir standen einige Zeit in der Kälte und unterhielten uns, bis wir hörten, dass Chad wohl drinnen an der Theke säße. Und in der Tat, da saß er. Wir holten uns Autogramme und ich wartete dann den ersten Ansturm ab, um kurz mit ihm reden zu können. Wir sprachen über den Besuch des Konzentrationslagers Sachsenhausen, den die Band hinter sich hatte und ich erzählte ihm über amerikanische Vorurteile gegenüber Deutschen bezogen auf das 3. Reich. Er regte sich ziemlich darüber auf und machte deutlich, dass er zwar Amerikaner sei, aber sich nicht mehr wie einer fühle. Das Gespräch war leider viel zu kurz, aber ich wollte ihm auch nicht zu lange auf den Wecker fallen. Ich bin immer noch tief beeindruckt von diesem Menschen und seiner Einstellung. Vielleicht habe ich ja irgendwann nocheinmal die Gelegenheit mit ihm zu sprechen. Na jedenfalls kam Matthew ebenfalls an die Theke und signierte brav unseren Kram. Andi unterhielt sich länger mit ihm; ich hatte nicht wirklich ein Thema auf Lager. Deshalb verließen wir auch kurz darauf die Live Music Hall als wir hörten, dass der Tourbus abzufahren gedenke. Und ich hatte ja noch die Schlagplatte meines Basses dabei, um sie von Ryan signieren zu lassen. Also parkten wir uns wieder vorm Tor. Nach einigen Minuten kam Ryan am Tourbus an, und wir riefen nach ihm, bis er zu uns gesaust kam. Er signierte meine Schlagplatte und den restlichen Krams und stand noch kurz für die Fotos still. Und schon war er wieder weg. Selten habe ich in so kurzer Zeit einen so guten Eindruck von einem Menschen bekommen. Langsam machten auch wir uns dann auf den Heimweg. Zuhause angekommen fiel ich erschlagen, aber überglücklich ins Bett. Das Konzert war alle Scherereien wert, und ich ersehne den Tag, an dem ich wieder das Vergnügen habe, Mudvaynezu sehen. |