Live in Hamburg @ Grünspan 2003, Feb. 09 - Review (von M1ck für MuDvAyNe-online)
Es ist schwer über drei Konzerte der selben Bands Reviews zu schreiben. Zwangläufig würde es zu Wiederholungen kommen. Um diese zu vermeiden beschränkt sich folgendes Review auf Besonderheiten.

Vor dem Konzert:
Es ist Sonntag der 9. Februar. Ich höre Möwen, aber der schöne salzige Geruch des Meeres ist leider noch zu weit weg. Ich bin mit meiner Freundin im Hamburger Hafen und wir schauen uns ein paar Schiffe an, und genießen den Pier. Aber eigentlich scheiße ich auf den kulturellen Kick. Alles was ich will ist Wiedergutmachung... an mir selbst und für mich selbst.

Deshalb bin ich einen Tag eher angereist, und besuchte Christof in seiner Studium-Stadt. Und zu allem Überfluss schleift er uns dann zu einer Uni-Party. Meine Güte, da hab ich mir echt was anderes drunter vorgestellt. Zumindest nicht so etwas pseudo-kulturelles wie dieser afrikanische Quatsch. Und so sammelte ich dann doch so richtige viele, richtig schlechte Erfahrungen im Kontakt zu typischen Studenten. Und fast jeder dieser "Ich-weiß-ich-bin-was-Besseres"-Typen fiel durch's Sieb in den Einheitsbrei indem er innerhalb einer Minute das volle Repertoire an Studenten-Klischees runterleierte. Zu allem Überfluss verlor ich dort auf mysteriöse Weise meine Federmappe, mit dem schönen schwarzen Füller... *heul*

Danach ging's dann doch etwas besser. Wir gingen zu einer total versifft-verkifften Drogenparty, wie man sie nur aus Ami-Filmen kennt. Wo Leute Leute mitbringen, viel gesoffen wird und es letztlich zugeht wie in Sodom und Gomorra. Nur das bei dieser Party nicht gekifft wurde, die Leute nicht genug tranken, und der Exzess somit flach fiel. 'Tof musste dann mit aller Gewalt noch zu einer anderen Fete, bei der es dann wieder steil bergab ging. Tja, und nachts um vier ging's dann endlich heime... mit dem Nachtbus, wo hinten in der letzten Reihe drei sonst so coole Jungs sich aneinander kuschelten und sooo süß schliefen :)

Am nächsten Tag, nach ausgiebigen Frühstück mit frühmittelalterlicher Toast-Kunst (Gruß an 'Tof ;)) ging es ab auf die Reeperbahn. Nicht wegen den seltsamen Läden dort, sondern selbstverständlich um das "Grünspan" zu finden. Das war dann doch tatsächlich mitten drin im Tumult. Wie erhofft stand auch der Bus direkt vor dem Club, und die Roadies waren grade damit beschäftigt alles mögliche rein zu schleppen. Ich fragte dann nach kurzem Zögern einen von ihnen, wo die Band sei. Und er sagte sie seien noch in der Stadt, sie würden aber so halb bis um 5 wieder da sein. Und so kam es das wir durch den Hafen liefen, nur um diese 2 Stunden bis dahin noch zu überbrücken. Als wir dann wiederkamen waren da brachiale 4 Leutchens (allesamt weiblich), die ebenfalls warteten. Ok, jetzt gilt es, sagte ich mir.

100%ig wird früher oder später einer von ihnen hier vorbei laufen, dann denke daran, das es dreimal bescheuerter ist sie vorbei laufen zu lassen, als ihnen zu zeigen, das Du sie erkennst, und Dich gern mit ihnen unterhalten würdest. Dann kam Matt um die Ecke. Eingepackt in eine hochkragige Jacke, mit Wintermütze und Handschuhen ging er an uns vorbei in Richtung Bustür. Dann hing es an mir. Zweifellos raffte jeder wer das war, oder ahnte es zumindest. Nur hatte keiner den Arsch in der Hose mal hinzugehen... nur ich ;) Ich ging also und sprach ihn an... so in etwa mit: "Excuse me,Mr. McDonough?" Er reagierte erst beim zweiten Mal, und wirkte doch etwas genervt. So als hatte er gehofft es würde niemand mit ihm sprechen. Ich gab ihm die Hand, und wusste für diesen Moment nicht mehr zu sagen als "I'm Mick, I'm a huge Mudvayne-Fan and it's great to meet you." Doch plötzlich standen auch zwei der Mädels hinter mir, und übergaben ihm irgendwelche dümmlichen Geschenke.

Naja zumindest die Muffins waren echt lächerlich. Doch es zwang ihn wenigstens noch etwas draußen zu bleiben und auch wenn er nicht so richtig wusste was er davon halten sollte, so war er doch sehr überrascht. Was aus den Muffins wurde ist allerdings sehr fraglich. Das war der erste Streich, und es dauerte nicht lange, da schnippte auch Chad um die Ecke. Ihn passte ich dann schon direkt vorm Eingang ab, aber wieder mussten die dümmlichen Tussen erst ihren Müll von Geschenken (unter anderem eine Rolle Klopapier!) bei ihm abladen. Ich weiß noch, das er wollte das sie es ins Publikum werfen, aber dann musste er es doch mitnehmen.

Ich machte dann aber endlich mal Nägel mit Köpfen, und fragte ihn, ob ich ein Photo mit ihm machen kann. Er sagte zu, und ich zückte den Fotoapparat, und gab ihn meiner Freundin. Als er sich verabschiedete gaben wir uns nochmals die Hände, und ich fragte ihn, wie es mit Photos während der Show aussieht. Er ging nicht mit einer kurzen Antwort, sondern antwortete noch ausführlich auf meine Frage. Das fand ich schon super.

Laut ihm gab es da kein Problem, aber die Securities bestanden später auf "No Flash!". In diesem Moment war der Tag für mich schon gerettet. Da war es dann ganz einfach auch Ryan noch anzuquatschen :) Doch was dabei rauskam war weit mehr als ich mir hätte denken können. Nicht nur ein stupider Small-Talk, der auf Photo oder Autogramm hinauslief, sondern ein echtes Gespräch, und ein sehr gutes wie ich meine. Wer mehr darüber erfahren will: darüber habe ich eine extra Seite geschrieben. Mitten in meiner Unterredung mit Ryan kam dann Greg vorbei, deshalb hatte ich keine Gelegenheit ihn auch zu sprechen, er wirkte ohnehin etwas zugeknöpft. Gab mir zwar die Hand, ging aber ohne große Reaktionen weiter. Doch Ryan nahm es locker, und klopfte ihm grinsend auf den Rücken.

Den Rest der Zeit kamen wir dann noch mit den beiden noch übrig gebliebenen Mädels ins Gespräch. Denn die beiden Geschenk-Eulen verpissten sich und tauchten erst später in der Halle nach der Vorband wieder auf. Ich holte mir dann noch (bei der wie sich bald herausstellte letzten Gelegenheit) noch ein Autogramm von Chad. Und weil ich ja gut vorbereitet war gab's das in mein L.D.50-Cover (extra mitgebracht) neben sein Gesicht *freu*. Aus der Rubrik "Wie vervielfache ich den Wert einer CD ins Unermessliche" ;)

Danach war alles wie in Stuttgart. Noch ein paar mal gingen Bandmitglieder vorbei, aber die gaaanz langsam zunehmende Masse an "Fans" raffte es sichtlich nicht. Also entweder sind wir Deutschen so blöd, oder unsere Attitüde gegenüber populären Menschen. Ach ja, nicht zu vergessen war die Vorband. Die erkannte ich auch wieder. Ich hielt es allerdings nicht für erforderlich die anzusprechen ;) (nachträglich: Damn! Warum nur nicht??) Und als es dann doch daran war sich ganz vorn zu platzieren, da trat immer wieder dieser total besoffene Kerl in den Mittelpunkt, indem er sich beispielsweise beiläufig gegen den Bus warf. Worauf ihn der "Godfather of Roadie" ansprach mit der simplen Aufforderung: "Hey man, don't fuck with the bus!" Und schon da hatte ich es im Gefühl: Dieser Kerl wird Mudvayne niemals sehen.

Bald schon unterhielten wir uns mit den beiden Mädels, als würden wir sie schon seit Tagen kennen. Die Kälte ließ uns alle seelisch etwas näher zusammenrücken. Und irgendwann war dann auch endlich Einlass. Auch als schon ziemlich viel los war hatte keiner gerafft als Ryan noch mit seinen beiden Miezen vorbei gegangen war. Endlich öffneten sich die Türen, und ich kam in die erste Reihe. Doch leider nicht dorthin wo ich letztes Mal stand. Aber egal... wenigstens erstmal erste Reihe...

Das Konzert:
Tieflader... wieder mal. Und obwohl sie das gleiche spielten wie letztes Mal kamen sie mir diesesmal gar nicht mehr so schrecklich vor. Es war zum Aushalten, einiges sogar einigermaßen gut. "Lauter" läuft sich schon gut warm in meinen Auto-Wechsler, und die tiefe gröhlende Stimme bei "Tieflader" kam auch richtig fett. Zumindest werde ich mich hüten erneut so starke Kritik zu üben wie nach Stuttgart. Und so nah wie der Sänger (ich weiß noch immer keinen der Namen - Asche auf mein Haupt) da vor mir stand, hätte ich ruhig mal fotografieren können. Leider war ich wohl der einzige dem die Musik besser gefiel, denn ansonsten stand alles nur rum. Ganz Grünspan? Nein, ein kleiner Gallier in Form des Besoffenen von draußen drehte hinter uns total frei, pöbelte und schlug um sich bis ein paar Securities ein Herz hatten, und ihn "entsorgten"... tja wie schon gesagt, gab mir mein Gefühl recht.

Dann, als Tieflader abgeladen hatten begann wie immer der Umbau. Und der Ober-Roadie kam wie immer heraus, und fragte ob die Leute nicht mal etwas Stimmung machen wollen. Sie müssten schon etwas laut werden, denn sie wollen schließlich eine Show sehen...

Bedenkt man, was vorher schon Feines passiert ist, war das Konzert nachher etwas enttäuschend. Das lag aber nicht an der Band, sondern an der Location. War das Grünspan vielleicht größer als die Röhre, und standen auch die Zeichen auf Sturm, so gab es zu viele Dinge, die die Suppe versalzten. Zunächst einmal muss man einfach zugeben das es auf Greg seiner Bühnenseite einfach etwas langweilig ist. Kein Ryan der wie wild vor einem rumspringt, und schon aufgrund seiner Tattoos eine Augenweide ist, und kein Chad, der auf der Bühne nun mal linkslastig ist. Dennoch ging es auch hier übel ab. Die Setlist war fast wie in Stuttgart, lediglich zusätzlich ergänzt durch "Solve et Coagula". Doch irgendwie pisste mich so einiges an. Denn ich hatte ja den Vergleich zu Stuttgart. Und eigentlich war ich doof, nicht lieber die zweite Reihe zu nehmen, in der Hoffung noch aufzurücken, statt den blöden Platz rechts vom Podest.

Ich will jetzt auch nicht zu neidisch klingen, und schon gar nicht neidisch auf den Hosenscheißer, der sich so amateurhaft das Gesicht wie Chad zur Debüt-Zeit geschminkt hatte. Zwar drückte Chad während der Show seine Faust gegen die seine, aber eh das Kindchen das gerafft hatte verging eine Ewigkeit. Und so kluge Aussagen wie "Hoffentlich trägt er das gleiche MakeUp wie ich, und die blaue Latzhose." und "Hoffentlich spielen sie 'Dig'." zeigen ja eindeutig: der Junge steht voll in der Materie. Die Lieder kannte er scheinbar auch nicht, und (ich war leider nicht dabei, aber wie mir berichtet wurde) stand wohl Mami dann nach dem Konzert draußen, und wollte das der Sohnemann heim kommt. Sick, really sick! ;)

Nein, soll er ruhig, was mich echt ankotzte waren die beiden Blindgänger von Photographen vor mir. Ist mir egal, und wenn der von der Visions gewesen wäre, der Pisser nahm mir die ersten 5(!) Lieder voll die Sicht, und dafür hätte ich ihn ordentlich eine mitgeben sollen. *grrr* In Stuttgart wäre der Graben gar nicht breit genug gewesen, für solche Idioten, aber hier war der Abstand leider größer. Und so hatte ich von "The End Of All Things To Come", "Internal Primates Forever", "-1", "Death Blooms" und "Not Falling" fast gar nichts. Also ein guter Rat an alle, die sich mal in einer ähnlichen Situation wiederfinden: verpasst den Kerlen ordentlich eins, damit sie wissen wo's langgeht! Den Rest des Ungenießbaren machten dann die elendigen Crowd-Surfer aus. Das sind auch immer die Richtigen, die die kein Lied kennen, aber mit aller Gewalt surfen müssen...

So... trotz all dieser schlechten Eigenschaften konnte das Konzi unter ein gewisses Niveau ja kaum fallen. Denn das hier sind nicht irgendwelche Garagen-Band-Kinder. Das sind Mudvayne. Der Sound jedenfalls stimmte, und kam richtig fett rüber. Besonders "Silenced" fetzte wieder alles weg. Das Highlight des Abends war dieses Mal aber irgendwie "Nothing To Gein". Voller Inbrunst zog Chad es durch, und in einer unvergleichlich emotionalen Art ließ er es enden. Das Finish war echt das Beste... noch besser als in Stuttgart. Mittlerweile hatte Ryan sich auch seines Shirts entledigt, und trug nun seine endgeilen Tattoos wieder spazieren. Es war immer wieder das Highlight, wenn er plötzlich die Bühnenseite wechselte, und direkt vor mir stand, und in seiner unnachahmlichen Art seinen Bass spielte. Greg hingegen schaute häufig mal eindringlich ins Publikum, ich rechnete eigentlich immer mit irgendeiner Reaktion, wenn er einen so lang anstarrte, doch es kam nix.

Aber wie es meist so ist, wenn ein Abend schon unter einem schlechten Stern steht, dann bleibt das meist gänzlich so. Und der hässliche Teil des Abends kam als man Chad und Ryan die Mikro-Ständer für "World So Cold" brachte. Kaum hatte Chad sich hinter das Mikro gestellt, da bekam er eine halbvolle Wasserflasche ab. Er ignorierte sie scheinbar, und begann mit Singen. Doch während dessen flog die nächste auf ihn. Das ärgerlichste daran war, das diese Flaschen kurz vorher noch von einem Mädel am Bühnenrand ausgegeben wurden, und weil wir in der ersten Reihe Mitleid mit denen hinter uns hatten reichten wir sie durch. Und dann wird damit so was betrieben! Ich hätte demjenigen der das tat echt den Hals umdrehen können. Wie geht das überhaupt? Wie ausgerechnet bei "World So cold"? Ich hätte es ja noch eingesehen, wenn ich den Kerl wenigstens gesehen hätte beim Wurf, dann hätte er das Echo vertragen müssen.

Chad grinste nur böse, und zeigte den Mittelfinger. Ryan jedoch schien gesehen zu haben wer es war, und kam, das Gesicht zur Faust geballt nach vorne und beschimpfte den Kerl. Der Rest der Show lief routinemäßig. Aber ich sah die Unterschiede. Kein Stage-Dive, keine Danksagungen. Man merkte, das es der Band reichte nach der Aktion. Zwar verteilte Matt anschließend wieder Geschenke, aber das letzte was ich nach "Dig" von Ryan sah, war ein wütendes "Mir-reichts"-Gesicht, als er sofort die Bühne verließ, seinen Bass dem nächsten Roadie in die Hand drückte und in der Backstage-Tür verschwand.

Für mich war der Abend (zumindest in Bezug auf Mudvayne) gelaufen. Ich war sogar etwas verärgert, denn ich nehme mir Dinge wie die Aktion mit der Flasche immer etwas an. Und damn, ich möchte nicht das meine Lieblingsband wegen irgendwelchen Mongos einen schlechten Eindruck von deutschen Fans hat. Wenngleich das deutsche Publikum scheinbar mit kaum echten Fans bestückt ist, wie ich nun schon zum zweiten Mal feststellen musste. Wäre es nicht so kalt gewesen, wären wir wohl noch dort geblieben. Und hätten erlebt, das Ryan und Co. dann schon wieder grinsen konnten, und fleißig Autogramme gaben. Alles was uns blieb war aber der Heimweg. Doch bevor wir die Halle verließen trafen wir noch auf die Vorband, und in meiner doch plötzlich wieder guten Laune, sprach ich den Bassisten zum Spaß halt an. Als wir denen erzählten, das wir schon in Stuttgart dabei waren, bekamen die die Münder fast nicht mehr zu.

Wir sagten ihnen, sie seien dieses Mal echt besser gewesen, und das war ja auch nicht gelogen. Sie schienen sich auch übel zu freuen, das wir sie überhaupt erkannt haben, und als ich dann noch mein Erinnerungsvermögen zur Schau stellte, indem ich meinte: "Hey, und das ist doch euer Sänger!" da wurde dieser auch prompt hinzu gerufen, und wir plauschten mit den Jungs noch etwas. Wenn ich's mir recht überlege, hätten wir wirklich noch etwas dort bleiben können... naja,... anyway...