All Access To All Things - Review (von DeNNiS für MuDvAyNe-online)
Wenn man Mudvayne eines garantiert nicht vorwerfen kann, dann ist dies Faulheit. Nach der Produktion des letzten Albums "The End Of All Things To Come" und einem erneuten Tourmarathon warf die Band in nur kurzer Zeit die Single-DVD zu Not Falling, die Live-CD Live Bootleg sowie als neuesten Streich ihre zweite Live-DVD All Access To All Things unter die lechzenden Fans. Mit großer Spannung hielt ich den neuen Silberling in den Händen. Immerhin hatte sich die Band seit ihrer letzten DVD L[ive] D[osage] 50 doch etwas gewandelt, und das nicht nur optisch. Gespannt war ich vor allem auf die Performance der neuen Stücke. Die Aufmachung der DVD geht Hand in Hand mit dem Artwork ihres Drittlingswerkes, und die dynamischen Fotos auf der Rückseite ließen schonmal einiges erwarten.

Begrüßt wird man mit einem schick animierten Intro und der Aufnahme eines frenetisch nach Mudvayne gröhlenden Publikums. Der erste Schritt ist natürlich das Hauptprogramm. Die etwas sterile Frauenstimme, die einem die Auswahl noch einmal akustisch bestätigt ("Performance" *hauch*) ist ein bisschen peinlich und auch ziemlich überflüssig. Doch das alles ist erst einmal vergessen, als man Chads Stimme zum ersten Mal hört. Optisch ist man erstmal überrascht, war man doch von der Peoria-DVD noch dunkle Hallen, Nebel und martialische Schminke gewöhnt. OK, der ungeschminkte Look ist ja schon nicht mehr neu, aber trotzdem ist speziell die Open-Air-Atmosphäre schon gewöhnungsbedürftig. Doch bereits nach den ersten Minuten von "Internal Primates Forvever" fällt das kaum noch auf. Mudvayne sind auf der Bühne gewohnt aktiv, auch wenn ich rein vom Look her immer noch glaube eine völlig andere Band als die von vor zwei Jahren zu sehen.

Nach dem Song beginnt der eigentliche besondere Teil der DVD, nämlich das Backstage-Material. Interviews mit den Bandmitgliedern, dem Management und anderen Leuten die an der Tour beteiligt sind lassen nicht nur einen Blick hinter die Kulissen zu, sondern machen das Ganze auch zu einem wesentlich persönlicherem Erlebnis als ein simpler Konzertmitschnitt. Die DVD ist eh mehr als eine Art Tagebuch der "Summer Sanitarium Tour" zu sehen. Die Band steht viel mehr im Mittelpunkt als der Auftritt, was die Auswahl gerade dieser Tour (wo sie ja nur Vorgruppe waren) vielleicht etwas nachvollziehbarer macht.

Aber zurück zum erwähnten Auftritt. Nächster Song ist das zeitlose "-1" - auf einen neuen Song wartet man also noch vergebens. Das Publikum sieht man dabei leider nur spärlich. Viel verpasst hat man da jedoch nicht, den das besteht anscheinend nur aus verklemmten Metllica-Fans und großtittigen Weibern, die trendy zur Musik wippen. Der ab und zu mal aufkommende Pit ist eher lächerlich, aber es war ja auch scheiße warm ;-) An der Band jedenfalls liegt das alles mit Sicherheit nicht. Denn auch bei "-1" und dem folgenden "Death Blooms" geben sie sich keine Blöße. Schön zu hören ist, das Chad einige neue Ansagen parat hat, die nicht minder gut sind wie ihre Vorgänger. Mit "Mercy, Severity" gibt es dann den ersten Song vom neuen Album zu hören. Und der kracht besser als erwartet. Der Track fügt sich nahtlos ein und reißt noch mehr mit als auf CD.

Zwischendurch gibt es immer wieder ausführliche Einblicke in das Tourleben der Band. Da wird der Busfahrer interviewt, das Tourfutter vorgestellt oder ein komplettes Interview mit einem Radiosender gefilmt. Was das Ganze so glaubwürdig macht ist, dass Mudvayne nicht nur fröhlich grinsend durch die Gegend rennen, sondern auch mal genervt oder müde sind. Das macht sie sympathisch und vor allem menschlich...

Mit "Cradle" und "Nothing To Gein" folgen die emotionalsten Performances der gesamten Scheibe (wie es eigentlich auch zu erwarten war). Chad lebt mal wieder in seiner eigenen Welt, und seine Schreie und Mimiken sprechen Bände! Auch hier gibt es wieder was Neues, nämlich das Ende von "Nothing To Gein". Was hier an Spannung und Dramatik aufgebaut wird übertrifft alles, was Mudvayne bisher gezeigt haben. Das man hier auch noch "World So Cold" nachschiebt, setzt dem Ganzen die Krone auf...

Mudvayne haben es mal wieder geschafft, bei mir Rollen die Tränen. Die Energie, der Ausdruck und der Wille, der in diesen Liedern liegt ist einfach unbeschreiblich. Sie beweisen, dass sie all das Make-Up und den Nebel nicht nötig haben, dass sie pur durch ihre Musik wirken können. Allein dafür zolle ich ihnen den größten Respekt!

Bilder vom Soundcheck und Aufnahmen vom Meet & Greet mit den Fans runden das Backstage-Material ab. Sehr positiv ist, das wirklich so ziemlich jeder am Auftritt Beteiligte zu Wort kommt, von Gregs Gitarren-Tech bis hin zum Fotografen. Man fühlt sich also wirklich hautnah dabei. Dass man die einzelnen Personen aufgrund fehlender Untertitel manchmal schwer versteht ist zwar etwas ärgerlich, aber eigentlich Nebensache. Denn die Hauptsache scheint durch, nämlich dass man hier eine kleine Familie zusammen hat, die alle voll hinter der Band stehen und ihr Möglichstes tun, um sie weiterzubringen.

Ein letztes Mal wird der Schauplatz gewechselt. In einem randvollen Stadion in San Francisco und vor einem Publikum, das etwas mehr Saft in den Knochen hat als die Bewohner Utahs, performen Mudvayne "Not Falling" par excellence. Wie eigentlich alle Songs der The End Of All Things To Come gewinnt der Track live deutlich an Biss. Und als krönenden Abschluss gibt es natürlich "Dig". Unschön zu sehen, aber bei Mudvayne (leider) fast schon Standard ist der Gegenstand, mit dem Chad bei der Ansage beworfen wird. Sein beiläufiges "Fuck you" mitten im Satz zeigt aber, wie wenig die Jungs darauf noch geben. Sie wissen, wie gut sie sind, und treten dem gesamten Stadion mit "Dig" nocheinmal kräftig ins Hinterteil.

Der Abspann ist nochmal ein kleines Highlight. Man sieht einen Fan am Wohnwagen der Band, der geschminkt ist wie Ryan zu L.D. 50-Zeiten. Er plaudert kurz mit Chad, und anschließend begleitet ihn die Kamera den gesamten Weg zurück ins Stadion. Dabei faselt er pausenlos ziemlich sinnlosen Scheiß und scheint trotz mehrerer Hinweise nicht zu schnallen, dass er gerade Stoff für die DVD liefert. Ein durchaus spaßiges Ende einer sehr coolen Performance, auch wenn sich anscheinend jeder geschminkte Idiot für den größten o2-Waster aller Zeiten hält.

Doch halt, da waren doch noch dreizehn andere Optionen im Hauptmenü... also noch einmal zurück um zu schauen, was uns das Scheibchen noch alles bietet. Dort wird jedoch schnell klar, dass der Bonuskram nicht so umfangreich ist wie angenommen. Die vielen einzelnen Optionen im Hauptmenü sind eigentlich nichts anderes als die einzelnen Kapitel des Hauptprogramms, nur nach anderen Gesichtpunkten geordnet. Da kann man sich das Konzert ohne Backstageunterbrechungen ansehen, sich die Interviews mit jedem Bandmitglied einzeln rauspicken oder auch einfach nur den Soundcheck bewundern. Das ist zwar ganz hilfreich, aber im ersten Moment doch enttäuschend. Einzig wirklich eigenständige Features sind die Mudcam, Aufnahmen der Band selber mit einer Handycam (durchaus kurzweilig), und das Video zu "World So Cold" inklusive Making Of. Letzteres ist ein bisschen kurz geraten und wirkt ein bisschen wie ein Lückenfüller, aber es fügt sich nahtlos in den Rest der DVD.

Schlussendlich ist der 2003er DVD-Auftritt der Gruppe durchaus gut gelungen. Eine superfette Performance, sehr stimmiges und ehrliches Backstage-Material und eine gute Aufmachung sind es, die diese Scheibe auf jeden Fall kaufenswert machen. Man darf hier allerdings keinen aufwändigen Live-DVD-Kracher a lá SlipKnoTs "Disasterpieces" erwarten. Es ist viel mehr das Tagebuch einer supersympathischen Band, die eigentlich nur ein Ziel haben kann: "Where are we going?" - "Right to the top!"